Netzwerk Gärten Akademietage 2016

Zusammen wachsen und zusammenwachsen: Die Netzwerk Gärten-Strategie

Sich vernetzen, Meinungen und Erfahrungen austauschen, Rollen reflektieren, die eigene Teamfähigkeit ausbauen, Teams und deren Gruppenverträge weiterentwickeln und das Gesamtinteresse hinter das Einzelinteresse stellen waren die inhaltlichen Schwerpunkte der beiden Akademietage im Kloster Schöntal Ende Februar 2016 im Netzwerk Gärten mit insgesamt 117 Teilnehmern aus sieben Mitgliedsbetrieben.  Die Stimmung innerhalb der Gruppe war außergewöhnlich positiv und offen und spiegelte eine ganz besondere Grundhaltung, die zeigte, dass innerhalb des Netzwerkes Gärten in den letzten Jahren schon viel zusammengewachsen ist. Dies war auch für Moderator Claus Harten spürbar, den die in dieser Großgruppe gelebten Werte absolut faszinierten: Sieben völlig individuelle Unternehmen und dennoch ein großes Ganzes, das kontinuierlich zusammenwächst.

Das gesetzte Ziel wurde erreicht: Das Netzwerk Gärten ist in jeglicher Hinsicht gewachsen: „an sich und in sich". (Bildquelle: Michael Schappert)

Moderatorenausbildung und spannende Workshops

Im Vorfeld der Akademietage hatten sechs Mitarbeiter der Netzwerk Gärten-Unternehmen die Chance genutzt und sich von Claus Harten in einem Tagesseminar zum Moderator schulen lassen. Dieses wertvolle Handwerkszeug ermöglicht es, im Betrieb notwendige Sitzungen erfolgreich zu moderieren, um so diese Termine vom größten Zeitfresser in produktive Arbeitszeit zu verwandeln. „Wir lernten, wie eine gute Begrüßung aussieht, probten den richtigen Stand vor einer Gruppe und verstanden, warum eine exakte Vorbereitung echt wichtig ist. Trotz langjähriger Erfahrung als Moderatorin von Teamtreffen habe ich durch Claus Harten noch viel lernen können", schilderte Erna Landes, Mitarbeiterin bei Blattwerk in Stuttgart, begeistert. Zusammen  mit Nicole Theiss (Firma Widenhorn, Gärten am See, Sipplingen) und Stefanie Dankerl (Firma Bergles et Schauer, Nersingen) übernahm sie die Leitung des Workshops „Erfolgreich Sitzungen und Expertentreffen moderieren". Der Workshop „Gesund arbeiten und Leistungsfähigkeit erhalten", fand bei Michael Grimm aus Hilzingen großen Anklang. „Die Hohe Kunst liegt darin, die Gesundheit ins tägliche Bewusstsein zu holen und somit zur Routine werden zu lassen. Wir werden hieran wieder ganz aktiv arbeiten, um den kontinuierlichen Ausbau gesunderhaltender Maßnahmen, die ehrlich gesagt in letzter Zeit etwas vernachlässigt wurden, konsequent zu forcieren", so der Beschluss von Grimm und seinem Team. Weitere Workshop-Themen zur Teamentwicklung und den bereits an der Akademietagung im Jahr 2014 diskutierten kommunikativen Schnittstellen, ergänzten das Angebot am ersten Akademietag. Florens Goldbeck, Trainer bei Harten & Breuninger, sorgte mit Power Nap und Qi Gong-Übungen mehrmals täglich dafür, dass Geist und Körper der Teilnehmer über den ganzen Tag gleichermaßen aktiv blieben und viele Mitarbeiter nahmen diese Chance wahr. Abendlicher Höhepunkt war das Improvisationstheater WildWechsel. Auf Zuruf und nach dem Motto: „Geben Sie uns Ihr Wort, wir machen Ihnen eine Szene", ernteten die Künstler mit ihrem witzigen Schauspiel aus dem Landschaftsgärtneralltag die herzhaftesten Lacher bei bester Zuschauerlaune, was die Menschen einander näher brachte und somit ganz nach Plan verlief.

Intelligenz des Schwarms oder Dummheit der Horde?

Diese Frage erörterte Eberhard Stahl, Diplom-Psychologe und Geschäftsführer des Hamburger Beratungsunternehmens „elbdialog", am zweiten Akademietag in seinem Impulsvortrag „Führen, Leiten, Lassen: von hirnlosen Gruppen, egozentrischen Einzelnen und angemessenen Gruppenverträgen". „Eine Gruppe hat kein Gehirn, sie ist ein Geist ohne Verstand, kann per se nicht selber lernen, denken oder sprechen", erläuterte Stahl in seinem fesselnden Vortrag. Die Gruppe an sich beschreibt Stahl als eine Ansammlung egozentrischer Einzelner, von denen jeder seine Ziele mit einbringt, die sich in sachliche, persönliche und zwischenmenschliche Bereiche aufgliedern und die es zu synchronisieren gilt. Das funktioniert über sogenannte Gruppenverträge, in denen genaue Regeln hinterlegt sind. Leider gibt es diese Gruppenverträge selten in schriftlicher Form, denn das Wunder der Synchronisation passiert oft unausgesprochen in den Köpfen der Einzelnen und wird schon gar nicht niedergeschrieben. Meist läuft die Festsetzung dieses Vertrages nach folgendem Prinzip ab: Wenn ich etwas tue und keiner sagt was dagegen, dann passt das so. Ein Gruppenvertrag passiert einfach und er kann auf diese Weise in einer sehr hohen Komplexität entstehen. Soll ein Gruppenvertrag geändert werden so gibt es drei mögliche Verfahren: Die Selbstorganisation, die Führung und die Leitung. Die Selbstorganisation ist der am wenigsten aufwendige und der beliebteste Weg, aber leider ist das Problem häufig ein suboptimaler Gruppenvertrag. Möglichkeit Zwei ist die Führung, die eine schnelle und gleichgerichtete Veränderung zum Ziel hat. Leider ist dieses Vorgehen mit folgenden Nachteilen verknüpft: Menschen führen angeordnete Dinge viel weniger gerne aus, als wenn sie sich selbst für einen Weg entscheiden durften. So bleibt dann als letztes Verfahren die Leitung, was bedeutet, die Gruppe spricht mit einem Moderator über die anstehenden Änderungen. Das kostet Zeit und Geduld und ist somit laut Stahl die teuerste, wenn auch die wirksamste Möglichkeit. „Geleitete Veränderungen sind gleichgerichtete und von allen getragene Entscheidungen", so der Experte, der für einen guten Mix aus Selbstorganisation und Leitung plädiert.

Mitglied einer Gruppe sein zu dürfen, sollte immer mit empfundenem Stolz und Ansehen verknüpft sein und genau dies war an diesen Akademietagen zu beobachten: Alle Teilnehmer waren stolz zum Netzwerk Gärten zu gehören.

Ein sportliches Spiel, hinter dem ein dynamischer Gruppenprozess steckt, machte die Mitarbeiter um mehr als eine Erfahrung reicher. (Bildquelle: Petra Reidel)

Gruppenprozesse live

Wie dynamisch Gruppenprozesse verlaufen und wie schnell sich Gruppenverträge entwickeln, erlebten die Akademieteilnehmer im Anschluss bei einer durchaus sportlichen Aktion: Zehner-Teams hatten die Aufgabe, alle gleichzeitig einen Tennisball auf den Boden zu prellen, um danach den Ball des Vordermanns aufzufangen. In der anschließend angesetzten Fish-Bowl-Runde kommentierte Stahl die geschilderten Beobachtungen der Mitarbeiter und Chefs. Vielfach entscheidend dabei war, ob es die Gruppe geschafft hatte, sich auf das richtige Maß an Spaß zu einigen. „Konträre Grundsätze wie „Ohne Spaß keine Leistung" und „Erst die Arbeit, dann das Vergnügen" sind zwei sich widersprechende Weisheiten, die schnell aufeinander prallen", erklärte der Experte. „Bei uns hat es etwas länger gedauert, bis einer das Zepter in die Hand nehmen wollte. Danach war auch unsere Gruppe erfolgreich und mir wurde klar, wie wichtig es ist, für zu erledigende Aufgaben einen Verantwortlichen zu benennen", so Karl-Heinz Wagner von Wagner Gärten aus Neresheim. Ein mögliches Umschalten zwischen Selbststeuerung und Führung innerhalb der Gruppe wäre laut Stahl perfekt, der erläuterte, dass Gruppen gute Regeln für das Leistungsverständnis benötigen. Niemand arbeitet gerne unter einem Leistungsanspruch, der nicht zu ihm passt. „Wenn du es eilig hast, gehe langsam vor", dieser Grundsatz gilt für Gruppen, denn sonst kommt es eventuell zu einem schnellen Scheitern, lautete der Rat des Psychologen.

Die Wachstums-Essenz der einzelnen Unternehmen wurde am Ende von Mitarbeitern präsentiert. (Bildquelle: Petra Reidel)

Essenz zum Wachsen

Jedes Mitgliedsunternehmen stellte sich nach diesem Vortrag seine ganz individuelle Wachstums-Essenz aus dem Gelernten und Gehörten zusammen und präsentierte diese am Ende dem Auditorium. So hat sich beispielsweise die Firma Bergles & Schauer aus Nersingen vorgenommen, dass das junge Mitarbeiterteam nach der Arbeit mehr zusammen unternimmt, um sich besser kennenzulernen. Zudem ist der in die Jahre gekommene Gruppenvertrag dringend zu renovieren. Gärten von Daiß aus Waiblingen möchte seine neuen Mitarbeiter zukünftig noch besser einführen und wird die Gruppenstärke der Kolonnen überdenken. Stefan Böhm, Geschäftsführer der Firma Blattwerk, ist begeistert, mit wie viel Engagement sich alle auf die  unterschiedlichsten Facetten des Tagungsprogramm eingelassen haben. „Wir sind als Betrieb schon gut aufgestellt, doch auch bei uns gibt es Verbesserungspotenzial." Mittlerweile hat Blattwerk seine Besprechungskultur angepasst: Es gibt häufigere, dafür aber kürzere Treffen innerhalb der Fachabteilungen. „Die Teams sind selbstorganisiert und formulieren zusammen mit uns als Chefs, ohne hierarchische Strukturen, ihre Zielsetzungen komplett selbstständig. Das fühlt sich für mich nach großem Wurf an", berichtete Böhm.

In den Genuss der Obelix-Dosierung dieser Wachstums-Essenz kam Marc Kretzschmar, denn für ihn waren die Akademietage gleichzeitig sein Arbeitsbeginn bei der Firma Wragge aus Backnang als Facharbeiter im Pflegebereich. „Für mich war das Integration im Schnellverfahren. Ich kenne jetzt fast alle meine Firmenkollegen und viele aus den Netzwerk-Betrieben, weiß, wie Schnittstellen optimal funktionieren und hatte die einmalige Chance, gleich am ersten Arbeitstag sehen zu dürfen, wie viel Dynamik und Innovation hinter den Betrieben im Netzwerk-Gärten steckt. Einen besseren Anfang kann man sich nicht wünschen", so Kretzschmar. Claus Harten freute sich über die reiche Beute, die alle Betriebe mit in den Arbeitsalltag nehmen können und Netzwerk-Sprecher Michael Grimm (Grimm garten gestalten, Hilzingen) verabschiedete begeistert die so unterschiedlichen und dennoch durchweg hoch motivierten Menschen dieses Treffens, die sich wieder ein bisschen näher gekommen sind. Und irgendwie drängt sich der Verdacht auf, dass die Netzwerk-Gärtner die Pippi Langstrumpf-Philosophie ziemlich gut drauf haben: „Wir machen uns die Welt widde widde wie sie uns gefällt..."